Zahlen & Fakten

Fachkräftemangel im Handwerk: Zahlen, Ursachen und was Betriebe tun können

Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk wirklich, welche Gewerke trifft es am härtesten – und was können Inhaber tun? Die wichtigsten Zahlen aus amtlichen Quellen, eingeordnet für die Praxis.

Stand: Oktober 2026 · Quellen: ZDH, IW/KOFA, Bundesagentur für Arbeit, BIBB, IAB

Das Wichtigste in Zahlen

200.000offene Stellen im Handwerk schätzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks2
fast jede 2.offene Stelle im Handwerk ist rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzbar (2025)4
242 Tageblieben gemeldete Stellen im Handwerk 2025 im Schnitt offen – über alle Berufe: 167 Tage7
718.000Beschäftigte in Handwerksberufen sind 55 bis 64 Jahre alt – mehr als jeder Fünfte8

Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk?

Das Handwerk zählte Ende 2025 rund 1,04 Millionen Betriebe mit gut sechs Millionen Beschäftigungsverhältnissen und 346.388 Auszubildenden.1 Wie groß der Mangel ist, hängt davon ab, wie man zählt – drei Zahlen kursieren, und alle drei stimmen:

  • Rund 200.000 offene Stellen schätzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Schätzung schließt Stellen ein, die nicht bei der Arbeitsagentur gemeldet sind.2, 3
  • Rund 123.000 gemeldete Stellen zählte die Bundesagentur für Arbeit 2025 im Jahresdurchschnitt in Handwerksberufen – 6 % weniger als im Vorjahr. Dem standen rund 157.000 Arbeitslose mit einem Zielberuf im Handwerk gegenüber.8
  • Knapp 100.000 Stellen (97.482) sind laut Institut der deutschen Wirtschaft rechnerisch nicht besetzbar, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen dafür gibt. Das IW rechnet mit 209.444 offenen Stellen; fast jede zweite davon bleibt damit unbesetzt.4

Bemerkenswert: In der Gesamtwirtschaft ist die Fachkräftelücke 2025 mit der schwachen Konjunktur um 24 % gesunken, im Handwerk nur um 9,5 %.4, 5 In 59 von 115 Handwerksberufen herrschte 2025 ein Engpass, in 35 davon schon seit mindestens zehn Jahren.4 Der Mangel im Handwerk ist also kein Konjunkturphänomen, sondern strukturell.

Welche Gewerke es am härtesten trifft

Die Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe aus. Von 84 Engpassberufen auf Fachkraftebene stammen 39 aus dem Handwerk.6, 8 Die größten Lücken auf Gesellenniveau laut IW:

Beruf (Fachkraftniveau)Fachkräftelücke 2025Anteil rechnerisch nicht besetzbarer Stellen
Bauelektrik16.270rund 76 %
Kfz-Technik13.327rund 61 %
Sanitär, Heizung, Klima10.941rund 70 %
Metallbau6.513rund 61 %
Quelle: KOFA Kompakt 7/2026, Institut der deutschen Wirtschaft (Jahresdurchschnitt 2025).4, 5 Auch die Dachdeckerei gehört zu den Handwerksberufen mit mehr als 1.000 fehlenden Fachkräften.

Die Engpassanalyse der Bundesagentur zeigt, wie unterschiedlich die Lage je Gewerk ist. Sie wertet unter anderem die Besetzungsdauer (Median) und die Zahl der Arbeitsuchenden je gemeldeter Stelle aus:6

Beruf (Fachkraftniveau)Besetzungsdauer (Median)Arbeitsuchende je StelleEinstufung 2025
Bauelektrik109 Tage1,03Engpassberuf
Sanitär, Heizung, Klima120 Tage1,13Engpassberuf
Kältetechnik141 Tage0,54Engpassberuf
Klempnerei193 Tage1,47Engpassberuf
Kfz-Technik118 Tage1,59Engpassberuf
Dachdeckerei155 Tage1,43Engpassberuf
Metallbau116 Tage1,79Engpassberuf
Zimmerei163 Tage1,66unter Beobachtung
Maurer103 Tage2,70unter Beobachtung
Tischler104 Tage3,03unter Beobachtung
Maler und Lackierer101 Tage4,51unter Beobachtung
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 (Mai 2026), Datenanhang.6 Als Engpassanzeichen wertet die BA unter anderem eine Besetzungsdauer ab 80 Tagen und weniger als zwei Arbeitsuchende je Stelle.

Auch in Gewerken, die nicht als Engpassberuf gelten, sind Stellen oft mehrere Monate offen – etwa in der Zimmerei mit 163 Tagen im Median. Für den einzelnen Betrieb zählt am Ende weniger die Statistik als die Frage, wie lange die eigene Lücke dauert. Wie viel sie kostet, zeigt unser Vakanzkosten-Rechner.

Wie lange Stellen im Handwerk offen bleiben

2025 dauerte es im Handwerk durchschnittlich 242 Tage, bis eine gemeldete Stelle besetzt war – über alle Berufe hinweg waren es 167 Tage. Ein Jahr zuvor lagen die Werte bei 224 und 160 Tagen, 2015 bei 104 und 84 Tagen.7 Die Lücke zum Rest des Arbeitsmarkts ist also in zehn Jahren deutlich gewachsen.

Diese Durchschnittswerte werden von besonders langen Einzelfällen nach oben gezogen. Für die Planung im eigenen Betrieb ist der Median aus der Tabelle oben oft der realistischere Anhaltspunkt: Die Hälfte der Stellen ist nach dieser Zeit besetzt – die andere Hälfte eben nicht.

Warum sich der Mangel verschärft

1. Die Babyboomer gehen in Rente

Rund 718.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Handwerksberufen sind 55 bis unter 65 Jahre alt – mehr als ein Fünftel. Sie stehen nach Einschätzung der Bundesagentur in den kommenden zehn Jahren vor dem Ruhestand. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten in Handwerksberufen seit 2019 um 5 % gesunken, während sie in der Gesamtwirtschaft um 4 % stieg.8

2. Zu wenig Nachwuchs bleibt

2025 wurden im Handwerk 135.540 neue Ausbildungsverträge geschlossen, ein leichtes Plus. Zugleich blieben 16.213 Ausbildungsplätze unbesetzt, 11 % des Angebots.9 Rund 37 % der Ausbildungsverträge im Handwerk werden vorzeitig gelöst.8 Und auch nach der Gesellenprüfung bleiben nicht alle: In einer Untersuchung des IAB arbeiteten zwölf Monate nach dem Abschluss noch 58 % der beschäftigten Absolventen im Ausbildungsbetrieb; die meisten Wechsler blieben zwar im Handwerk, ein Teil ging aber etwa in den Maschinenbau oder die Logistik.10

3. Andere Branchen zahlen mehr

Das mittlere Bruttomonatsentgelt in Handwerksberufen lag Ende 2025 laut Bundesagentur bei 3.781 €, in vergleichbaren anderen Berufen bei 4.236 € – rund 450 € mehr im Monat.8 Wer im Handwerk Fachkräfte halten will, sollte diesen Abstand kennen.

4. Beschäftigte kündigen häufiger selbst

Gesamtwirtschaftlich geht inzwischen gut die Hälfte aller Kündigungen von den Beschäftigten aus: 2022 waren es 52 %, 2009 noch 34 %.11 Für Betriebe heißt das: Die Frage ist nicht ob, sondern wann die nächste Kündigung kommt.

Was Betriebe gegen den Fachkräftemangel tun können

  1. Fachkräfte haltenJede Fachkraft, die bleibt, muss nicht ersetzt werden. Gehalt regelmäßig mit dem Markt vergleichen (z. B. über den Entgeltatlas der Bundesagentur), verlässliche Arbeitszeiten, gute Ausstattung, Weiterbildung und echte Wertschätzung wirken stärker als jede Stellenanzeige.
  2. Ausbilden – und Azubis haltenWer selbst ausbildet, kennt seine künftigen Gesellen. Entscheidend ist, die Übernahme früh zu besprechen und Perspektiven aufzuzeigen.
  3. Schneller einstellenStellen sofort ausschreiben, auch kostenlos bei der Arbeitsagentur melden, Bewerbungen innerhalb von ein bis zwei Tagen beantworten. Gute Fachkräfte haben mehrere Angebote.
  4. Neue Zielgruppen ansprechenQuereinsteiger, Rückkehrer nach einer Familienphase, erfahrene Kräfte kurz vor der Rente in Teilzeit und Fachkräfte aus dem Ausland. Die Bundesagentur verweist darauf, dass Zuwanderung für die Fachkräftesicherung weiter an Bedeutung gewinnt.12
  5. Für den Ernstfall vorsorgenKündigungen lassen sich nicht verhindern, ihre Folgen aber planen. Mit dem Nachbesetzungsschutz übernimmt HUNTWORKER die Suche, sobald eine abgesicherte Fachkraft kündigt – zum festen Jahresbeitrag. Was in den ersten Tagen nach einer Kündigung zu tun ist, steht im Leitfaden Geselle kündigt – was tun?

Häufige Fragen

Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk?

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks schätzt rund 200.000 offene Stellen. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die Fachkräftelücke im Handwerk für 2025 auf knapp 100.000 Stellen (97.482), die sich rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzen lassen – fast jede zweite offene Stelle.

Welche Handwerksberufe sind Engpassberufe?

Laut Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit unter anderem Bauelektrik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Kältetechnik, Klempnerei, Kfz-Technik, Dachdeckerei und Metallbau. Von 84 Engpassberufen auf Fachkraftebene stammen 39 aus dem Handwerk.

Wie lange dauert es, eine Stelle im Handwerk zu besetzen?

Gemeldete Stellen in Handwerksberufen waren 2025 im Durchschnitt 242 Tage unbesetzt, über alle Berufe 167 Tage. Der Median – nach dieser Zeit ist die Hälfte der Stellen besetzt – liegt je nach Beruf etwa zwischen 100 und 190 Tagen.

Warum gibt es im Handwerk einen Fachkräftemangel?

Vor allem wegen der Demografie: Mehr als ein Fünftel der Beschäftigten in Handwerksberufen ist 55 Jahre oder älter. Dazu kommen unbesetzte Ausbildungsplätze, viele vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge, Abwanderung in besser zahlende Branchen und eine hohe Nachfrage etwa durch Sanierung und Energiewende.

Was können Handwerksbetriebe gegen den Fachkräftemangel tun?

Vorhandene Fachkräfte halten, selbst ausbilden und Azubis übernehmen, schneller auf Bewerbungen reagieren, neue Zielgruppen wie Quereinsteiger und internationale Fachkräfte ansprechen – und für den Fall einer Kündigung vorsorgen, etwa mit einem Nachbesetzungsschutz.

Die nächste Kündigung planbar machen.

Mit dem Nachbesetzungsschutz startet die Suche am Tag der Kündigung – zum festen Jahresbeitrag statt mit einer Provision vom Jahresgehalt.

Quellen

  1. ZDH, „Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks 2025“ (Stand Juni 2026) – zdh.de
  2. ZDH, Interview mit Generalsekretär Holger Schwannecke, 03.11.2025 – zdh.de
  3. dpa-Meldung „Deutschlands Handwerkern fehlen 200.000 Mitarbeiter“, 04.03.2026 – nordkurier.de
  4. KOFA Kompakt 7/2026 „Fachkräftesicherung im Handwerk“, Institut der deutschen Wirtschaft, 28.07.2026 – kofa.de (PDF)
  5. KOFA Kompakt 3/2026, Jahresrückblick 2025, 25.03.2026 – kofa.de (PDF)
  6. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 (Mai 2026) mit Datenanhang – statistik.arbeitsagentur.de
  7. Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo 34 „Fachkräfte im Handwerk knapp: 242 Tage, bis eine Stelle besetzt ist“, 14.09.2026 – arbeitsagentur.de
  8. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, „Arbeitsmarkt kompakt: Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk“, August 2026 – statistik.arbeitsagentur.de (PDF)
  9. BIBB, „Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025“ – bibb.de
  10. IAB-Kurzbericht 18/2024, Verbleib von Ausbildungsabsolventen im Handwerk (Abschlussjahrgang 2020, 13 Kammerbezirke) – iab.de (PDF)
  11. IW-Kurzbericht 37/2025 „Arbeitnehmer kündigen zunehmend selbst“, 22.04.2025 – iwkoeln.de
  12. Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo 32 „Fachkräfte bleiben knapp – Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung“, 02.09.2026 – arbeitsagentur.de

Die Zahlen messen Verschiedenes: Der ZDH schätzt alle offenen Stellen, die Bundesagentur zählt nur gemeldete, das IW rechnet hoch. „Beschäftigungsverhältnisse“ (ZDH) umfassen alle Tätigen in Handwerksbetrieben, die Zahlen der Bundesagentur nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Handwerksberufen. Abgerufen im Oktober 2026.